• Sterilfilter in der Neonatologie

    Wasserhygiene und Infektionsprävention auf neonatologischen Intensivstationen

    In der Neonatologie, insbesondere auf neonatologischen Intensivstationen (NICU/Neonatal Intensive Care Unit), ist die hygienische Qualität von Wasser ein zentraler Faktor für die Patientensicherheit. Da Wasser bei zahlreichen patientennahen Tätigkeiten eingesetzt wird, ist eine konsequent kontrollierte Wasserhygiene ein wesentlicher Bestandteil der Infektionsprävention bei Früh-, Risiko- und Neugeborenen.

    Wasser als unterschätzter Risikofaktor in der Neonatologie

    Nosokomiale Infektionen stellen weltweit eine anhaltende Herausforderung dar und betreffen allein in den Vereinigten Staaten bis zu 10 % aller stationären Patienten (Anaissie et al.1, 2002). Frühgeborene, Risikogeborene und kritisch kranke Neugeborene, die auf NICUs behandelt werden, zählen dabei zu den besonders vulnerablen Patientengruppen.

    Die erhöhte Infektionsanfälligkeit ist multifaktoriell bedingt. Bei sehr unreifen Frühgeborenen (VLBW* < 1500 g) sind Haut- und Schleimhautbarrieren in den ersten Lebenswochen durchlässiger für Krankheitserreger. Invasive intensivmedizinische Maßnahmen wie Katheter, Drainagen oder Intubationen durchbrechen zusätzlich natürliche Schutzbarrieren. Hinzu kommt die Besiedlung mit Krankenhauskeimen durch zahlreiche Umweltkontakte, insbesondere über Hände.

    Neben klassischen Übertragungswegen rückt die Wasserqualität zunehmend in den Fokus der Krankenhaushygiene. Auswertungen2 der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) aus den Jahren 2014 bis 2021 zeigen, dass wasserassoziierte Mikroorganismen bei rund einem Drittel der untersuchten NICU-Infektionen und Ausbruchsgeschehen beteiligt waren. Auch wenn die Übertragungswege nicht immer eindeutig identifiziert werden konnten, zeigten die Untersuchungen wiederkehrende Auffälligkeiten im Umgang mit Wasser.

    Zu den klinisch relevanten wasserassoziierten Erregern zählen Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae, Acinetobacter baumannii und weitere multiresistente gramnegative Erreger. P. aeruginosa ist einer der am häufigsten mit nosokomialen Ausbrüchen auf NICUs assoziierten gramnegativen Erreger und kann bei Früh- und (kranken) Neugeborenen lebensbedrohliche Infektionen verursachen.

    *Very Low Birth Weight

    Wasserassoziierte Gefahrenquellen

    für nosokomiale Infektionen auf NICUs

    Eine systematische Übersichtsarbeit3 im International Journal of Hygiene and Environmental Health analysierte 25 Studien zu nosokomialen wasserassoziierten Infektionen bei Neugeborenen und Müttern. In 24 von 25 Untersuchungen wurden wasserbezogene Quellen als Reservoir oder Übertragungsweg identifiziert. Am häufigsten betroffen waren Leitungswasser, Waschbecken und Armaturen, gefolgt von Wasserbädern, Inkubatoren, Befeuchtern, Beatmungsgeräten, Wasser zum Baden der Neugeborenen sowie Händewaschen mit kontaminiertem Wasser.

    Molina-Cabrillana et al.4 berichteten über einen Pseudomonas aeruginosa-Ausbruch auf einer spanischen NICU (2011-2012), bei dem kontaminiertes Leitungswasser zum Erwärmen von Muttermilch und Formulanahrung in Flaschenwärmern als mögliches Reservoir identifiziert wurde. Nach der Umstellung auf steriles Wasser traten keine weiteren Fälle auf. Auch ein Ausbruch5 mit ESBL**-bildender Klebsiella pneumoniae auf einer italienischen NICU konnte durch Hygienemaßnahmen und den Austausch eines kontaminierten Flaschenwärmers eingedämmt werden. Tödliche Cronobacter sakazakii-Infektionen6 in den Jahren 2021/2022 in Deutschland und den USA infolge kontaminierten Milchpulvers unterstreichen die Notwendigkeit verbindlicher Hygieneregeln bei der Zubereitung von (pulverförmiger) Säuglingsnahrung.

    Mehrere Studien6 belegen, dass Wasserauslässe und Abflüsse in Krankenhäusern häufig mit potenziell pathogenen Bakterien wie Pseudomonas aeruginosa besiedelt sind. Als „Feuchtkeim“ und Biofilmbildner kann der Erreger in Wasserleitungen, Waschbecken, Inkubatoren und der patientennahen Umgebung persistieren und über Spritzwasser, Aerosole und kontaminierte Oberflächen übertragen werden. Multiresistente P. aeruginosa verursachen allein in den USA jährlich 13 bis 19 % der nosokomialen Infektionen.

    Eine Studie7 auf einer italienischen NICU zeigte zudem einen Zusammenhang zwischen häufigem Stillen und der Besiedlung von Neugeborenen mit einem Imipenem-resistenten MBL***-Stamm von P. aeruginosa, was die Bedeutung hygienischer, wasserbezogener Handhabungsprozesse auch bei grundsätzlich protektiven Maßnahmen unterstreicht.

    Weitere potenzielle wasserassoziierte Risikobereiche auf NICUs sind die Reinigung von Milchflaschen, Milchpumpenzubehör und Ernährungssonden sowie die wasserbasierte Aufbereitung von Medizinprodukten (z. B. Katheter, Beatmungszubehör und Instrumente) im Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG).

    **Extended-Spectrum Beta-Lactamase
    ***Metallo-Beta-Lactamase

    Empfohlene Maßnahmen zur Infektionsprävention

    Wasserassoziierte Infektionen in der Neonatologie sind in vielen Fällen vermeidbar. Wasser sollte konsequent als relevanter Risikofaktor berücksichtigt und durch klare Vorgaben, wirksame technische Schutzmaßnahmen sowie strukturierte Wassersicherheitskonzepte kontrolliert werden. So können Infektionsraten gesenkt, Behandlungsergebnisse verbessert und zugleich Kosteneinsparungen erzielt werden.

    In Deutschland werden Empfehlungen zur Prävention wasserassoziierter Infektionen im Krankenhaus maßgeblich von der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut (RKI) erarbeitet. Sie bilden gemäß § 23 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) den verbindlichen fachlichen Rahmen für Krankenhaushygiene und müssen in klinikinterne Standards umgesetzt werden. Ergänzend veröffentlichen u. a. die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) sowie das Umweltbundesamt (UBA) fachliche Empfehlungen.

      • wöchentliches mikrobiologisches Kolonisationsscreening zur frühzeitigen Erkennung nosokomialer Übertragungen
      • konsequente Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt
      • medizinische Einmalhandschuhe bei definierten Tätigkeiten, z. B. Manipulation von Ernährungssonden, zusätzlich zur Händedesinfektion
      • Reinigung und Desinfektion von Inkubatoren vor jeder Neubelegung sowie Entfernung von Biofilmen und Inaktivierung von Krankheitserregern in wasserführenden Leitungen
      • steriles oder sterilfiltriertes Wasser für Haut- und Schleimhautpflege, wenn die Einhaltung der UBA-Wasserqualitätsanforderungen nicht sicher gewährleistet werden kann; Empfehlung von endständigen Wasserfiltersystemen
      • patientenbezogene minimalinvasive Hautpflege bei Frühgeborenen < 1500 g, besonders in der ersten Lebenswoche bei extrem unreifen Frühgeborenen (< 26. SSW)
      • Abpumpen von Muttermilch: gründliche Reinigung von Händen, Brustwarzen und Pumpzubehör vor der Anwendung; Lagerung in sauberen, gekühlten Flaschen; Transport nur in Kühltaschen (≤ 7 °C)
      • Aufbereitung von Milchpumpenzubehör: Auffanggefäße, Schläuche und Flaschen mutterbezogen einsetzen und nach jedem Gebrauch gründlich reinigen oder thermisch im Reinigungs- und Desinfektionsautomaten aufbereiten
      • Beatmungssysteme: Kondenswasser vor jeder Umlagerung ablassen; Mundpflege alle 2-4 h mit sterilfiltriertem oder abgekochtem Wasser (keine Antiseptika)

      Die Zubereitung pulverförmiger Säuglingsnahrung unterliegt europäischen und nationalen Vorschriften zur Lebensmittelsicherheit, wird jedoch klinisch und international unterschiedlich umgesetzt.

      Aufgrund der hohen Vulnerabilität von Früh- und Neugeborenen sind besonders strenge Hygienestandards erforderlich. Die WHO empfiehlt in ihrer Leitlinie zur sicheren Herstellung und Handhabung von Formulanahrung (2006) die Zubereitung mit kochendem, anschließend auf 70 °C abgekühltem Wasser, um Verunreinigungen durch Cronobacter sakazakii zu vermeiden. Diese Vorgaben werden jedoch unterschiedlich diskutiert.

      Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) betont in seiner Empfehlung11 zur hygienischen Zubereitung pulverförmiger Säuglingsnahrung (2022) die gründliche Reinigung und Hitzebehandlung aller Gerätschaften, die frische Zubereitung, den sofortigen Verzehr und das Verwerfen von Resten. Insbesondere für frühgeborene und immungeschwächte Säuglinge sollte die Zubereitung in einer speziell ausgerüsteten Milchküche durch fachlich qualifiziertes Personal erfolgen.

      Für besonders sensible Anwendungen, etwa das Baden von Früh- und Neugeborenen, das Erwärmen von Milchflaschen oder enterale Ernährungsprozesse, wird die Verwendung von sterilem oder mikrobiologisch einwandfreiem Wasser empfohlen. Abgefülltes Sterilwasser bietet zwar maximale Sicherheit, ist jedoch teuer, logistisch aufwändig in Lagerung und Transport und schützt nicht dauerhaft, wenn die Wasserleitungen bereits kontaminiert oder mit Biofilm besiedelt sind.

    Sterilfilter, die ohne umfangreiche bauliche Eingriffe direkt an den Entnahmestellen wie Waschbecken bzw. Armaturen oder in die Zuleitungen wasserführender Geräte installiert werden, stellen eine praktikable und kosteneffiziente Alternative dar. Sie halten Krankheitserreger wie Pseudomonoaden, Legionellen, Mykobakterien, Stenotrophomonas-Bakterien oder Klebsiellen zuverlässig aus dem Wasser zurück und senken damit wasserassoziierte Infektionen in Intensivbereichen signifikant.

    Zuverlässiger Schutz durch unsere Sterilfilter

    Der endständige Sterilfilter i3 ONE wurde für die Sterilfiltration von Leitungswasser am Wasserhahn entwickelt. Er lässt sich sicher, schnell und einfach über einen Schnellverschluss installieren und eignet sich ideal für die manuelle Vorspülung von Medizinprodukten, die Händereinigung sowie das Erwärmen von Milchflaschen. Dank des 10‑Grad-Winkels wird der Wasserstrahl so geleitet, dass ein direkter Kontakt mit dem Siphon vermieden und die Bildung potenziell infektiöser Aerosole reduziert wird.

    Zuverlässigen Schutz vor wasserassoziierten Krankheitserregern bietet auch der Inlinefilter i3 FOUR. Er wird mittels Schnellverschlusskupplungen im Leitungssystem montiert, erfüllt durch die Mikrofiltrationsmembran alle Anforderungen an die Wasserhygiene und unterstützt eine Durchflussmenge von 6 l/min. Der i3 FOUR eignet sich insbesondere für die maschinelle Aufbereitung von Medizinprodukten im RDG.

    Auch der Inlinefilter i3 FIVE wird in den wasserführenden Zuleitungen medizinischer Geräte installiert, um Infektionen durch pathogene Keime zu verhindern. Trotz seiner kompakten Bauform unterstützt er eine hohe Durchflussmenge von 20 l/min und eignet sich ebenfalls für die maschinelle Aufbereitung im RDG.

    Unsere Wasserfilter wirken als sofort einsetzbare Barrieren gegen Krankheitserreger, sind leicht zu installieren und tragen zur Einhaltung hygienischer Anforderungen sowie zu mehr Sicherheit von Patienten und Anwendern im klinischen Alltag bei.




    Sie möchten mehr über Sterilfilter in der Neonatologie erfahren?

    Literaturangaben