Unmittelbar nach der Geburt sind nicht nur Neugeborene immungeschwächt, auch für die Mutter stellt der Geburtsvorgang eine Ausnahmesituation dar, in der das Immunsystem weniger leistungsfähig ist. Untersuchungen haben gezeigt, dass Mutter und Kind bei Wassergeburten einem erhöhten Infektionsrisiko durch Bakterien und Keime ausgesetzt sein können:
In einer Studie der geburtshilflich-gynäkologischen Abteilung in Sterzing, bei der das Wasser in der Gebärwanne vor (Probe A) und nach der Geburt (Probe B) auf pathogene Keime untersucht wurde, konnten in den A-Proben vor allem Legionellen (29 %), Pseudomonaden (22 %) und Enterokokken (18 %) nachgewiesen werden.
Nach der Geburt wurde in den B-Proben eine erhöhte Belastung durch coliforme Keime (81 %), Escherichia coli (58 %) festgestellt, was darauf zurückzuführen ist, dass während der Pressphase Ausscheidungen der Mutter in die Gebärwanne gelangen.
Die weiterführende Studie hat ergeben, dass durch den Einbau eines Filtersystems im Zuleitungsschlauch der Gebärwanne die Kontamination des Leitungswassers mit Legionellen und Pseudomonaden deutlich reduziert werden konnte.
Ergänzend dazu veröffentlichte der National Health Service (NHS) in Großbritannien im Jahr 2014 eine Warnung, nachdem ein Neugeborenes nach einer Wassergeburt mit Legionellen infiziert war. Ursache war eine mobile Gebärwanne, bei der das Wasser über einen längeren Zeitraum vor der Geburt beheizt vorgehalten wurde.
Das Deutsche Ärzteblatt berichtet außerdem von einer Analyse der Universitätsfrauenklinik in Verona, bei der Wassergeburten mit Landgeburten verglichen wurden. Im Ergebnis litten die Mütter nach einer Wassergeburt signifikant häufiger unter bakteriell verursachtem Puerperalfieber (5,6 vs. 1,1 %) und auch die Neugeborenen hatten öfter (4,2 vs. 1,5 %) erhöhte Entzündungsparameter (CRP > 5 mg/L).
Bei der Wassergeburt kann also von dem verwendeten Leitungswasser eine zusätzliche Infektionsgefahr ausgehen. Insbesondere, wenn warmes Wasser über einen längeren Zeitraum vorgehalten wird. Das Infektionsrisiko erhöht sich außerdem, wenn die Gebärwanne unzureichend gereinigte und desinfizierte Zuleitungen aufweist, es zu Biofilmbildung in Armaturen, Schläuchen und Nischen kommt und eine regelmäßige mikrobiologische Kontrolle fehlt.